{"id":282,"date":"2015-02-01T15:43:10","date_gmt":"2015-02-01T15:43:10","guid":{"rendered":"http:\/\/mo-fontaine.de\/?page_id=282"},"modified":"2015-02-01T15:59:36","modified_gmt":"2015-02-01T15:59:36","slug":"grafik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/mo-fontaine.de\/?page_id=282","title":{"rendered":"Grafik"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/mo-fontaine.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/liegender-Akt-Studie-3_50.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-301\" src=\"https:\/\/mo-fontaine.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/liegender-Akt-Studie-3_50-1024x764.jpg\" alt=\"liegender Akt - Studie 3_50\" width=\"474\" height=\"354\" srcset=\"https:\/\/mo-fontaine.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/liegender-Akt-Studie-3_50-1024x764.jpg 1024w, https:\/\/mo-fontaine.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/liegender-Akt-Studie-3_50-300x224.jpg 300w, https:\/\/mo-fontaine.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/liegender-Akt-Studie-3_50.jpg 1738w\" sizes=\"auto, (max-width: 474px) 100vw, 474px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Immer, wenn es im Sommer hierzulande hochsommerlich hei\u00df wird, werden alle R\u00e4ume unseres Hauses, auch mein Atelier, tags\u00fcber abgedunkelt, um der Hitze zu trotzen. Das ganze Haus f\u00e4llt f\u00fcr Tage, manchmal sogar Wochen in eine Art D\u00e4mmerschlaf. In dieser Zeit, die ein Arbeiten vor der Staffelei eigentlich unm\u00f6glich macht, greife ich auf unserer schattigen Veranda zu Skizzenblock, Bleistift, Zeichenkohle, Pastellkreiden und Aquarellfarben.<br \/>\nIn meinem Elternhaus war das <strong>Zeichnen<\/strong> sozusagen immer die <strong>\u201eK\u00f6nigsdisziplin\u201c<\/strong> gewesen. Man huldigte der Skizze in vielgestaltiger Weise, immer mit dem Ziel, den hoheitlichen Bereich der Grafik m\u00f6glichst virtuos zu bespielen. Zeichnungen sollten in der Lage sein, wahre K\u00f6nnerschaft ausdr\u00fccken: ein Ziel, das im Grunde genommen der italienischen Renaissance und ihrem Geniekult verpflichtet war, der sogenannten <strong>\u201eSprezzatura\u201c<\/strong>mit einem l\u00e4ssig-leichtem Duktus, dem auch nicht ein Hauch von Anstrengung anhaften durfte (oder noch schlimmer: ein z\u00e4hes Ringen um oder ein regelrechter Nahkampf mit einem Motiv).<br \/>\nAls Jugendliche war f\u00fcr mich diese angestrebte und teilweise auch erlangte Perfektion im Hause so unerreichbar, dass ich es vorzog, Klavier zu spielen.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/mo-fontaine.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/knieender-Akt-Kohlezeichnung_50.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-302\" src=\"https:\/\/mo-fontaine.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/knieender-Akt-Kohlezeichnung_50-206x300.jpg\" alt=\"knieender Akt - Kohlezeichnung_50\" width=\"206\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/mo-fontaine.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/knieender-Akt-Kohlezeichnung_50-206x300.jpg 206w, https:\/\/mo-fontaine.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/knieender-Akt-Kohlezeichnung_50-704x1024.jpg 704w, https:\/\/mo-fontaine.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/knieender-Akt-Kohlezeichnung_50.jpg 1186w\" sizes=\"auto, (max-width: 206px) 100vw, 206px\" \/><\/a>W\u00e4hrend meines Studiums an der Hochschule w\u00e4hlte ich dann interessanterweise doch den Schwerpunkt Grafik. Mein Mentor im Hauptstudium, Professor Helmut von Arz, selbst Grafiker und Illustrator, nannte mich sogar scherzhaft eine \u201egrafische Kettenraucherin\u201c.<br \/>\nIch sehe mir selbst beim Zeichnen meist schmerzhaft-kritisch \u00fcber die Schulter. Zudem erkenne ich f\u00fcr mich die Gefahr einer Redundanz, die darin besteht, dass meine pers\u00f6nliche <strong>Maniera<\/strong> irgendwann zu einer reinen Finger\u00fcbung verkommen k\u00f6nnte.<br \/>\nVor ein paar Jahren stellte ich mich mit einigen Aktzeichnungen und ein paar Stillleben-Malereien in einer Galerie vor. Nachdem der Galerist die Arbeiten ausgiebig durch seine Halbbrille be\u00e4ugt hatte, stellte er mir eine Frage: Ob ich mir klar dar\u00fcber w\u00e4re, wo meine eigentlichen St\u00e4rken l\u00e4gen? Er beantwortete die Frage dann gn\u00e4digerweise selbst: Es seien nat\u00fcrlich die Zeichnungen! F\u00fcr mich bedeutete die Aussage des Galeristen zun\u00e4chst eine kleine Achterbahnfahrt der Gef\u00fchle. Es war so, als ob ich nach einer langen Abenteuerreise voller Risiken, Chancen und Freiheiten in der Malerei-Wildnis wieder in die kleine Souterrain-Wohnung im elterlichen Haus h\u00e4tte einziehen sollen &#8211; scheinbar unsichtbar gef\u00fchrt durch eine Art von internem Kompass, dessen Nadel trotz vielf\u00e4ltiger Bewegungen in ganz unterschiedliche Richtungen doch immer wieder nach Norden zeigt.<br \/>\nEin Jahr zuvor hatte Dr. Brigitte Quack ein K\u00fcnstler-Portr\u00e4t \u00fcber mich in der Saarbr\u00fccker Zeitung mit einer klugen \u00dcberschrift versehen: \u201eMalen, um sich abzugrenzen\u201c.<br \/>\nHeute sind die gro\u00dfen Irritationen, die von der Einsch\u00e4tzung des Galeristen ausgel\u00f6st wurden, meinem Ehrgeiz gewichen, in der Malerei noch besser zu werden.<br \/>\nUnd auch die sommerlichen \u201eFinger\u00fcbungen\u201c im Bereich der Grafik bereiten mir manchmal sogar Vergn\u00fcgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer, wenn es im Sommer hierzulande hochsommerlich hei\u00df wird, werden alle R\u00e4ume unseres Hauses, auch mein Atelier, tags\u00fcber abgedunkelt, um der Hitze zu trotzen. 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