{"id":462,"date":"2015-12-05T17:13:23","date_gmt":"2015-12-05T17:13:23","guid":{"rendered":"http:\/\/mo-fontaine.de\/?page_id=462"},"modified":"2016-03-28T14:05:37","modified_gmt":"2016-03-28T14:05:37","slug":"gemaelde-portraet","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/mo-fontaine.de\/?page_id=462","title":{"rendered":"Gem\u00e4lde Portr\u00e4ts"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man sich als Malerin f\u00fcr das Thema Portr\u00e4t interessiert, betritt man ein Gel\u00e4nde voller Tretminen: Da gibt es in Zeiten des Fotorealismus die vielen Gesichter aus Fotokampagnen, Film und Fernsehen, bei denen man sich als Betrachter und Konsument nie sicher sein kann, ob diese \u201eAbbilder\u201c nicht nachtr\u00e4glich manipuliert wurden. Es gibt nat\u00fcrlich auch den Wunsch der Portr\u00e4tierten, m\u00f6glichst vorteilhaft ins Szene gesetzt zu werden. Jeder Mensch hat schlie\u00dflich ein korrigiertes, seitenverkehrtes und h\u00e4ufig auch gesch\u00f6ntes <strong>Idealbild<\/strong> seiner selbst in seiner Vorstellung abgespeichert \u2013 und das soll der Maler nun bittesch\u00f6n m\u00f6glichst genau so abrufen!<br \/>\nSchon der deutsche Impressionist <strong>Max Liebermann<\/strong> beschwerte sich \u00fcber die hohen Anspr\u00fcche seiner Kunden in puncto Portr\u00e4t-\u00c4hnlichkeit. Ironisch versprach er den Leuten, dass er den Portr\u00e4ts zus\u00e4tzlich noch beibringen k\u00f6nnte, Papa und Mama zu sagen.\u00a0Wie aber tritt man als Kunstschaffende in Konkurrenz zur \u00a0Fotografie, die ja die Aufgabe der Bildnis-Malerei bereits absorbiert hat? Erkennt sich der Portr\u00e4tierte im Gem\u00e4lde \u00fcberhaupt wieder oder wendet er sich mit Grausen ab, weil er sich unverstanden f\u00fchlt &#8211; oder sich m\u00f6glicherweise durchschaut f\u00fchlt? Und was bewegt das Portr\u00e4t einer wildfremden Person, wom\u00f6glich aus ferner Zeit, im Betrachter selbst? Distanz oder Empathie? Ist es ein Anreiz zur Selbstreflexion?<\/p>\n<p>Wie sch\u00f6n ist es f\u00fcr mich, meine Klientel aus<strong> historischen Pers\u00f6nlichkeiten<\/strong> zu rekrutieren, die niemals Einw\u00e4nde gegen meine Interpretationen erheben k\u00f6nnten! Schon seit meiner Studienzeit faszinieren mich die herrlichen \u201eRitrattos\u201c (italienisch nat\u00fcrlich \u201eritratti\u201c)\u201c und \u201eKonterfeis\u201c der <strong>Renaissance<\/strong> und des <strong>Manierismus<\/strong>, all die bet\u00f6rend-sch\u00f6nen Piero della Francescas, Baldovinettis, Pollaiuolos, Settignanos und dergleichen aus dem ausgehenden Trecento und Quattrocento in Italien. Sie sind in ihrer schlichten Komposition ohne Tricks, Prunk,Pracht, farblich und auch Kost\u00fcm-technisch noch eher dem Sp\u00e4tmittelalter verpflichtet. In der Hochrenaissance begann der Siegeszug des spanischen Hofzeremoniells &#8211; und damit kamen dann auch f\u00fcr lange Zeit all die feierlich-traurigen schwarzen Outfits in Mode. Trendsetter war \u00fcbrigens kein Spanier gewesen, sondern ausgerechnet ein schmucker Italiener namens Baldassare <strong>Castiglione<\/strong>, der in seiner Style-Bibel und Benimm-Schule den perfekten Hofmann (\u201eCortegiano\u201c) kreiert hatte.<\/p>\n<div id=\"attachment_465\" style=\"width: 247px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/mo-fontaine.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Laura-Battifferi.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-465\" class=\"size-medium wp-image-465\" src=\"https:\/\/mo-fontaine.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Laura-Battifferi-237x300.jpg\" alt=\"Laura Battifferi\" width=\"237\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/mo-fontaine.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Laura-Battifferi-237x300.jpg 237w, https:\/\/mo-fontaine.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Laura-Battifferi-808x1024.jpg 808w, https:\/\/mo-fontaine.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Laura-Battifferi.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 237px) 100vw, 237px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-465\" class=\"wp-caption-text\">Laura Battifferi<\/p><\/div>\n<p>Daher habe ich keinerlei Hemmungen, meine historischen Personen wie Papier-Puppen mittels Collage- und Decoupage-Technik neu einzukleiden. Das triste Original-Outfit der Schriftstellerin <strong>Laura Battiferri<\/strong> von Agnolo Bronzino, ( nebenbei bemerkt meiner Meinung nach das aufregendste weibliche Profil der Kunstgeschichte !), wurde genauso ausgetauscht wie die Kleider anderer Personen. Der Goldgrund als abstrahierter Hintergrund erzeugt eine synthetische Leerstelle, die vom Betrachter dann symbolisch aufgeladen werden darf. Die Portr\u00e4tierten geraten unfreiwillig zu Ikonen &#8211; auf der Grenze zwischen individuellem Charakter und Kunstfigur.<\/p>\n<div id=\"attachment_464\" style=\"width: 247px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/mo-fontaine.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Frida-mit-pr\u00e4kolumbianischer-Figur.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-464\" class=\"wp-image-464 size-medium\" src=\"https:\/\/mo-fontaine.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Frida-mit-pr\u00e4kolumbianischer-Figur-237x300.jpg\" alt=\"Frida mit pr\u00e4kolumbianischer Figur\" width=\"237\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/mo-fontaine.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Frida-mit-pr\u00e4kolumbianischer-Figur-237x300.jpg 237w, https:\/\/mo-fontaine.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Frida-mit-pr\u00e4kolumbianischer-Figur-808x1024.jpg 808w, https:\/\/mo-fontaine.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Frida-mit-pr\u00e4kolumbianischer-Figur.jpg 1154w\" sizes=\"auto, (max-width: 237px) 100vw, 237px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-464\" class=\"wp-caption-text\">Frida Kahlo mit pr\u00e4kolumbianischer Figur<\/p><\/div>\n<p>Gro\u00dfen Spa\u00df hat mir auch das Styling meiner\u00a0<strong>Frida Kahlo<\/strong>-Portr\u00e4ts gemacht: Frisur, Kleidung und Schmuck oder eine pr\u00e4kolumbianische Papageien-Figur aus Ton, ebenso ihre exotisch-indigenen Gesichtsz\u00fcge sollen nicht Fridas eigene Selbstportr\u00e4ts wiederholen, sondern eher erg\u00e4nzen und interpretieren. Ich orientierte mich an Frida-Fotografien aus den vierziger und f\u00fcnfziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Meiner Meinung nach sieht sie auf den Fotos von Gis\u00e8le Freund und Nicolas Murray viel h\u00fcbscher, weicher, sinnlicher aus als auf ihren kraftvollen und doch auch schonungslosen Selbstportr\u00e4ts, die von ihrer Einsamkeit und ihren Schmerzen zu erz\u00e4hlen scheinen, von gelebtem Exotismus und, wie Ingrid Brugger schreibt, von &#8222;einem Sichaufb\u00e4umen gegen das Sterbenwollen des l\u00e4dierten K\u00f6rpers&#8220;. Fridas Selbstportr\u00e4ts sind ein Amalgam aus Eros, Eigensch\u00f6nheit, H\u00e4sslichkeit und k\u00f6rperlichen Defiziten. Aus dieser ebenso authentischen wie schonungslosen Bestandsaufnahme ihrer Gesichts- und K\u00f6rper-Landschaften resultiert letztlich die Raffinesse und auch der emotionale Schock ihrer gro\u00dfartigen Bilder auf der Grenze zur Kunstlosigkeit. Zusammen \u00a0On-Off-Ehemann Diego Rivera und Frida formten zusammen jene \u00a0wilde und fremdartige, aztekische Prinzessin. Dieses Image hat sich tief in unser kollektives visuelles Ged\u00e4chtnis eingegraben. \u00a0In unserer medialisierten Welt entwickelte sich daraus ihr zeitloser Starfaktor. Diesen anhaltenden Hype um diese Kultfigur mit dem Damenbart und den zusammengewachsenen Augenbrauen, die wie Schwingen eines Vogels zum Flug ansetzen wollen, zapfe ich mit meiner kleinen Serie an.<\/p>\n<p>Frida\u00a0schien damals, w\u00e4hrend der Fotostrecke, mit dem Fotoapparat (oder dem Fotograf Murray!) regelrecht geflirtet zu haben. ich bin mir sicher, dass sie ihre Starqualit\u00e4ten als Ikone und folkloristisches Gesamtkunstwerk genossen hat&#8230;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[Best_Wordpress_Gallery id=&#8220;35&#8243; gal_title=&#8220;GemaeldePortrait&#8220;]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man sich als Malerin f\u00fcr das Thema Portr\u00e4t interessiert, betritt man ein Gel\u00e4nde voller Tretminen: Da gibt es in Zeiten des Fotorealismus die vielen Gesichter aus Fotokampagnen, Film und Fernsehen, bei denen man sich als Betrachter und Konsument nie&#8230;<br \/><a class=\"read-more-button\" href=\"https:\/\/mo-fontaine.de\/?page_id=462\">Read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-462","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/mo-fontaine.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/462","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/mo-fontaine.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/mo-fontaine.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mo-fontaine.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mo-fontaine.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=462"}],"version-history":[{"count":46,"href":"https:\/\/mo-fontaine.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/462\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":570,"href":"https:\/\/mo-fontaine.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/462\/revisions\/570"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/mo-fontaine.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=462"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}