Blumen

Vom Blühen und Welken

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Die Arrangements, die ich gerne als „autobiografisch“  bezeichne, diese ganz besonderen Pflanzen und Gefäße wirken zunächst kühl-distanziert – und gleichzeitig auch betörend sinnlich. Dabei handelt es sich nicht um Momentaufnahmen, sondern eher um zeitlich verdichtete und räumlich entrückte Sujets, die vom Blühen und Welken erzählen.

Vielleicht knüpfe ich mit meinen Stillleben an die von mir favorisierte barocke Vanitas-Symbolik an, die um Schönheit, Eitelkeit und deren Vergänglichkeit kreist. Aber auch die hermetischen Bildfindungen des Magischen Realismus haben einen tiefen Eindruck hinterlassen.

Wendet man sich als Betrachter den jeweiligen Gesten der Blütenstände und Blätter emotional zu und begreift ihren Ausdruck, spricht gar von deren „Affekten“, dann lassen sich durchaus Parallelen zu unserer eigenen menschlichen Existenz entdecken: junges, hoffnungsvolles Knospen, pathetisch-laute Inszenierungen erblühter Pflanzen, Theatralik, Verführung, gespreizter Stolz, Kraft und Wildheit, aber auch Melancholie, Introversion bis hin zu einem finalen Blühen, das verzweifelt ein letztes Mal in besonders schöner, zuweilen fremdartig-morbider Farbigkeit vor dem endgültigen Absterben der Blüte aufscheint.

So bilden diese Blumen-Arrangements und ihre geheimnisvollen Gefäße eigentlich das Leben selbst ab, indem sie zwischen Kraft und Zerbrechlichkeit, Schwäche und Aggression oszillieren.

Neben der Magie der Melancholie und der Sehnsucht nach Schönheit enthalten diese Bilder vielleicht auch eine weitere, eher optimistische Botschaft:

„Kunst verwelkt nicht. (…) Wenn der Maler malt, fallen keine Blätter ab, verdorrt kein Grün. (…) So ist in jedem Bild ein bisschen Rebellion gegen das Leben, in dem immer alles, wer weiß warum, vergehen, verblassen, erlöschen muss.“

Zitat: Hans-Joachim Müller, In der Malerei verdorrt kein Grün, FAZ 01.11.2005,S.33