Ausstellung in Philadelphia

Mala Galleria in Philadelphia
Mala Galleria in Philadelphia

Die Matrix der Geschwister Leander und Monika ist immer die Kunst gewesen: Stilbildend war in erster Linie der akademisch geschulte Künstler-Vater, selbst ein exzellenter Grafiker und Illustrator. Aber auch die Mutter war eine begabte Malerin, die als junge Erwachsene ein Kunststudium begonnen hatte.
Im Zentrum der optischen (visuellen) und handwerklichen Schulung und Förderung der begabten Kinder stand das Erlernen des virtuosen Zeichnens, vom Aktzeichnen über das Zeichnen von Objekten, Porträts – bis hin zu Landschaften und Gebäuden unter Einbeziehung perspektivischen Regelwerks.

Leander Fontaines bildnerische Entwicklung entfaltete sich geradlinig und konsequent schon immer in der Schwarz-Weiß-Kunst.
Er konzentriert sich als Illustrator und Grafiker seit 2010 (????) auf Tuschmalerei, ist fasziniert von den japanischen Sumi-Es. Sumi bedeutet im Japanischen Tusche, E bedeutet übersetzt Bild.

Schaufenster der Mala Galleria in Philadelphia
Schaufenster der Mala Galleria in Philadelphia

Voraussetzungen für solche Sumi-Es, also Tuschbilder, sind neben einer Sensibilität für Atmosphäre und Stimmungen auch eine hochgradige Beherrschung des Materials: Denn jeder Pinselstrich, der mit Tusche auf ein weißes Blatt aufgetragen wird, ist unumkehrbar und nicht korrigierbar. Die Bildgegenstände sind aller Farbe entkleidet und aus jeglichem räumlichen Zusammenhang katapultiert – auch der Atmosphäre oder sonstiger Zutaten und Informationen beraubt. Einzig die Linie selbst muss nun all diese Parameter ersetzen und subtile Ausdruckswerte dafür finden – nur die Meister der Sumi-Es sind in der Lage, mit ihrem Pinsel-Duktus auch wirklich eine „gereinigte“, verinnerlichte, konzentrierte Struktur des Abgebildeten erzeugen. Leander gelingt dieses Konzentrat oder diese Essenz an Bildaussage. Einen flüchtigen Augenblick lang begegnen wir Betrachter einem neugierigen (vorwitzigen) Vogel Strauß, einer munter-verfressenen Krähe, einem unbedarften jungen Esel. Diese Tier- Essenzen werden von Leander dann in seinen großformatigen Gemälden aufbereitet und für künftige Zeiten konserviert.

Jenseits des Foto-Realismus mit seiner Abbild-Genauigkeit verwirklicht Leander in seinen Bildern vielleicht sogar den Leitgedanken der chinesischen Tuschmalerei : das sogenannte„Qi (oder Chi)“. Dieses Wort „Qi“ lässt sich in unserer westlichen Welt nur schwer übersetzen: Es heißt soviel wie Leben, Eigenleben oder auch Energie. So mancher Betrachter entdeckt in Leanders Tierdarstellungen diese ganz eigene Energie dieses oder jenen Tieres – und natürlich auch die des Tuschmalers selbst – für einen kurzen Moment hervorgelockt durch die Konzentration auf einen bestimmten Affekt, eine Geste oder Mimik.

Mala Galleria in Philadelphia von innen
Mala Galleria in Philadelphia von innen

Einen interessanten Kontrapunkt bieten die Bilder der Schwester, Mo Fontaine. Auch sie wählte zunächst die Grafik als Schwerpunkt ihres Kunststudiums an der renommierten Folkwang-Hochschule in Essen.
Anders als Leander setzt sie ganz auf die Magie der Farben. Sie baut ihre vor Farbe strotzenden Bilder nicht tektonisch mit sich verdichtenden Linien auf. Mo denkt vor allem in Farb-Flächen und Farb-Klängen. Diese unterschiedlich großen Farbflächen kombiniert sie dann eigenwillig und setzt sie zueinander in Spannung. Dabei hat sie eine Vorliebe für Farbkontraste, z.B. die Komplementär-Kontraste Rot-Grün, Blau-Orange, Violett-Gelb oder Kalt-Warm-Kontraste. Auch verzichtet sie im Sinne der klassischen Moderne bewusst auf einen perspektivischen Tiefenraum – im Gegenteil: Der Bildraum ist flach und die Perspektive wirkt übersteigert und droht, in die Fläche umzukippen.
Mo liebt auch sinnliche Oberflächen-Strukturen und -Texturen wie z. B. die pralle, samtige oder glänzende Haut von Quitten oder Kirschen, die saftige und gleichzeitig säuerlich-distanzierte Qualität einer Zitrone oder Grapefruit. Das sie umgebende Geschirr schafft es kaum, diesen Vitalbomben und Kraftpaketen Paroli zu bieten.

Aber es gibt in dieser Ausstellung auch Bilder, die ein Bindeglied zu Leanders Kunst zu sein scheinen: Es sind ihre Koi-Bilder.
Auch Mo fasziniert die asiatische Kunst. Seit 2006 setzt sie sich sich mit der japanischen Kunst auseinander. Von besonderer Bedeutung für sie ist die Rimpa-School of Art, die im 17. Jahrhundert mit ihren stilisierten Motiven und ihrer Beschränkung auf einen Goldgrund um den großen Meister Ogata Korin kreiste.
Kois wird man allerdings auf den herrlichen Wand-Schirmen und Bildrollen jener Zeit vergeblich suchen. Denn diese schönen Fische mit ihren schimmernden Leibern und einzigartigen Musterungen und Abstraktionen auf dem Rücken der Tiere wurden erst im 19. Jahrhundert gezüchtet und traten erst dann von Japan aus ihren Siegeszug in unsere westliche Welt an.
Die schillernden Kois scheinen sich auf dem goldenen Grund Kaleidoskop-artig immer wieder neu zu ordnen. Sie gleiten zeit-,raum- und schwerelos durch den Goldgrund und wirken auf den Betrachter meditativ und sinnlich zugleich. Man könnte sogar den Eindruck gewinnen, dass man Ikonen der Moderne betrachtet. Denn diese Fische gelten in der asiatischen Welt als Metaphern für Glück und Wohlstand.

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